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Autor Thema: Clogging und Mountain Style Clogging - ein Bericht von Monika Zöller  (Gelesen 1954 mal)
admin
Gast
« am: 26. April 2006, 08:54:27 »

Der folgende Bericht wurde uns freundlicherweise von Monika Zöller, aktive Cloggerin seit 1983 und - nach eigener Angabe - erste deutsche Cloggerin und Cloggingteacherin, zur Verfügung gestellt und darf nur in Rücksprache mit ihr weiter verwendet werden. Natürlich sind wir stets auch an anderen/weiteren Darstellungen interessiert.

C L O G G I N G
von Monika Zöller

Was ist CLOGGING? Eine, auf historische Entwicklung zurückgehende Volkstanzart, deren Besonderheit die zusätzlichen Steptanzschritte sind. Zur rhythmischen Betonung dieser Schritte werden Schuhe getragen, die vorne und hinten mit Eisen (Taps) beschlagen sind. Ursprünglich wurde CLOGGING mit Holzschuhen (Clogs, daher der Name) oder barfuss getanzt und war in dieser Form ein Tanz der einfachen Leute. So oder ähnlich könnte CLOGGING in Kurzform beschrieben werden. Tatsächlich aber ist und hat es eine viel längere Geschichte. Ein echter Volkstanz oder ein Volkslied sind Dinge, die von Generation zu Generation, von Mensch zu Mensch durch Worte oder Vorführungen weitergegeben werden, ohne jemals in schriftliche Form gebracht worden zu sein.

Der bloße Name CLOGGING stellt einen Anhaltspunkt für den Ursprung dieses Tanzes dar. Ein CLOG ist ein Holzschuh, was darauf hinweist, dass der ursprüngliche Tanz mit Holzschuhen getanzt wurde. In den ersten Jahren des achtzehnten Jahrhunderts siedelten sich Pioniere aus England, Deutschland, Holland und Irland in den Appalachiangebieten der USA an. Von der Außenwelt ziemlich abgeschlossen, lebten sie in ihrer gewählten Isolation und wurden von der fortschreitenden Zivilisation nur wenig berührt. Das Resultat davon war, fehlender Kontakt zu anderen Menschen. Dadurch blieb der Einfluss fremder Sprachen und Gewohnheiten auf ein Minimum beschränkt. Sie wurden zu Eingeborenen des frühen Amerika. Ihre Lieder und ihre Tänze veränderten sich über viele Jahrzehnte aufgrund des fehlenden Einflusses von außen nicht, und heute kennen wir diese Tänze unter dem Namen CLOGGING. Der ursprüngliche Name aber war CLOG-Dance. Geprägt wurde dieser Tanz besonders durch die “Schottischen Hochland Tänze“ und durch den “Irish Jig“. Ebenso wurden deutsche, afrikanische und auch indianische Tanzelemente übernommen und diese Elemente und Tänze verschmolzen im Laufe der Zeit zum so genannten "Flatfoot-Dancing“. Dieser Vermischungsprozeß ist es aber auch, der die Geschichte des CLOGGING so schwer zu verstehen macht. Niemand kann mit absoluter Sicherheit sagen, woher der ursprüngliche Holzschuhtanz kam und wie die ursprüngliche Form seiner Darbietung war. CLOGGING stellte eine Brücke zwischen den verschiedenen Einwanderungskulturen dar.

“Musik vergeht, sofern sie nicht im Gedächtnis festgehalten wird, denn aufschreiben kann man sie nicht.“ Dies ist ein Ausspruch des Bischofs von Sevilla, ein berühmter Gelehrter aus der christlichen Frühzeit. Erst gegen Ende des Mittelalters war es möglich, Musik schriftlich niederzulegen und dies verhalf dem Tanz zu einer Entwicklung ohne Gleichen. Musik ist eine Zeitkunst, im Gegensatz zur Bildhauerei, welches eine Raumkunst ist. Und der Tanz, ja Tanz ist Körperkunst und von allen diesen Künsten am leichtesten zu erlernen. Warum? Tanz ist eines der ursprünglichsten Ausdrucksmittel des Menschen, denn er kann damit seelischgeistige Vorgänge durch Bewegung darstellen. Seit frühester Menschheit wurden viele Lebensgeschehnisse tänzerisch festgehalten. Die vielfältigen Tanzformen haben die unterschiedlichsten Bedeutungen, die ausgeprägteste ist wohl die religiöse Form als Hingabe an Mythen. Die wichtigste Form aber war und ist der Gemeinschaftstanz und er brachte, schon zur damaligen Zeit, übersprühende Lebensfreude zum Ausbruch. CLOGGING war in seinen Anfängen ein Tanz aus Fußstampfen, Händeklatschen und ohne feste Tanzregeln. Heute aber, nachdem aus Clog-Dance  das CLOGGING geworden ist, erlebt diese Tanzart eine unglaubliche Popularität. Herausgetreten aus der Isolation vermischt sie sich mit fast jeder modernen Tanzart.

Eine Wiederbelebung erfuhr das Clog-Tanzen durch das große Interesse, das dem amerikanischen Erbgut in den späten 50zigern und frühen 60zigern entgegengebracht wurde. In diesen Jahren schufen Folkgruppen, wie das Kingston Trio und Peter, Paul and Mary durch ihre Musik das Bewußtsein eines großen Erbes. Bei diesem erneuerten Interesse an der Volksmusik war es nur natürlich, dass der Volkstanz ebenso einen neuen Aufschwung an Popularität genießen würde. Gäste, die an Folk-Festivals im Appalachian Gebiet teilnahmen, wurden auf einen Tanz aufmerksam, der in diesem Gebiet vereinzelt noch heimisch war – Clog-Dance – und hier nun beginnt die “Neue Geschichte“ des CLOGGING. Eine Wiederbelebung, die bis heute anhält. Wie kam das?

Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges gab es kaum noch traditionelle Clog-Tänzer. Einer der wenigen war Bascom Lamar Lunceford. Er wurde 1882 in Mars Hill, North Carolina geboren und war bekannt als „Minstrel of the Appalachians“: Er verstarb 1973 und hinterließ ein großes Repertoire an Geschichten, Liedern und Tänzen. Er war Lehrer, Musiker, Sänger, Tänzer und ein echter „Mountaineer“. Er publizierte auch über einen amerikanischen Volkstanz, der sich überall in den Staaten fest etabliert hatte – Square Dance - .Hier über Square Dance zu schreiben würde den Rahmen sprengen, und doch sollte die Verbindung von CLOGGING und Square Dance nicht unerwähnt bleiben. Die Square-Dance Stamm- baumwurzeln können bis ca. 1450 zurückverfolgt werden und liegen natürlich auch in Europa. Es finden sich alle europäischen Tanzarten im Square Dance wieder, nachzulesen in verschiedenen SD-Publikationen. Aufbauend auf dem selben Hintergrund begann ca. um 1700 die Zeit der Appalachian Big Circle oder Mountain Hoedown Tanzformationen und es gab damals schon einen Lead-Tänzer der die zu tanzenden Figuren ansagte. Eine Weiterentwicklung davon waren “The number of four couples sets“, getanzt nach Mandolinen, Banjo und Fiddle Musik, oder einfach nur nach Händeklatschen, wenn keine Instrumentenmusik vorhanden war. Sehr oft wurden, nach vorheriger Absprache, in diese Tanzformationen einfache Clogging-Schritte mit eingebaut. So entstand Appalachian Mountain Style Clogging, eine schöne und schwungvolle Tanzart. Und eben dieser Bascom Lamar Lunceford war maßgeblich daran beteiligt und es ist ihm unter anderem zu verdanken, dass CLOGGING als Mountain Dance überleben konnte und heute in seiner traditionellen Form von vielen Gruppen gepflegt und erhalten wird.

Mountain Style Clogging

Mountain Dance oder Appalachian Mountain Style Clogging gibt es in verschiedenen Variationen, am bekanntesten sind Running Sets, Big Sets, auch Country Hoedown genannt, Smooth and Eight-Couple-Freestyle, um nur einige zu nennen.

Der Running Set erinnert an die französische Quadrille. Vier Paare stehen in einer Formation, so dass jedes Paar eine Wand im Rücken hat. Das Paar No. 1 startet nach rechts und tanzt mit Paar No. 2 eine angesagte Tanzfigur, tanzt dann weiter zu Paar No. 3 und zuletzt zu Paar No. 4. Es kehrt zu seiner Ausgangsposition zurück und alle Paare tanzen als Abschluss dieser Runde einen Twirl in home position. Nun startet Paar No. 2 nach rechts, tanzt mit Paar No. 3, danach mit Paar No. 4 und zuletzt mit Paar No. 1, findet zurück zu seiner Ausgangsposition und auch diese Runde wird wieder mit einem Twirl beendet. Anschließend startet Paar No. 3, tanzt mit allen Paaren, kehrt zurück und als letztes macht sich Paar No. 4 auf den Weg. Angesagt wurden die jeweiligen Tanzfiguren von Paar No. 1, was somit als Lead-couples fungierte und den Tanz steuern konnte. Später entwickelte sich daraus der Ansager, der außerhalb des Sets etwas erhöht stand, um die tanzenden Paare besser einsehen und führen zu können. Uns heute allen als Caller bekannt.

Eine Weiterentwicklung und schöne Alternative zum Running Set sind die Big Circle Mountain Style Formationen. Zwei bis vier Running Sets formieren sich zu einem großen Kreis, aufgeteilt in Aktive (ODDs) und inaktive (Even) Tänzer. Die ODDs beginnen nach rechts zu ihrem nächststehenden Even-couple, bilden einen small-circle und beginnen, wieder nach Ansage, eine Tanzabfolge. Ein Twirl schließt auch hier ab und die aktiven Paare marschieren weiter zu den nächsten Even-couples. Die Abfolge kann beliebig lange fortgeführt werden oder aber in einer Londen-Bridge oder ähnlichem enden. Ebenso kann in der Mitte des Kreises von einzelnen Tänzern freestyle getanzt werden. Jede Gruppe entscheidet das nach ihren eigenen Vorstellungen. Feste Abfolgeregeln gibt es nur bei Wettkämpfen. Die Ansagen des Leadtänzers richten sich meist an die ODDs, aber nicht nur, ebenso können auch die Evens angesprochen werden.

Beim Eight-Couple-Freestyle sagt uns der Name schon, was getanzt wird. Es tanzen immer acht Paare und sie werden von einem Leadtänzer durch die Musik geführt. Verwendet werden fast immer variabel eingesetzte Mountain Style Tanzfiguren. In der Choreographie wechseln sich Big-Circle mit Smal-Circle und Running Set ab. Im Zwischenteil findet sich fast immer ein Right-And-Left-Grand und es gibt meistens einen fest eingeplanten Ein- und Ausmarsch. Eight-Couple Tänze sind in der Regel zu einer festen Choreographie geformt und das Freestyle bedeutet nur, dass jeder Tänzer in seiner Schrittabfolge frei ist.

Smooth ist eine schöne Variante des Eight-Couple-Dancing. Auch hier ist die Choreographie fast immer festgeschrieben und der Unterschied zum Freestyle liegt darin, dass die Fußsohlen den Boden nicht verlassen dürfen. Im Takt der Musik werden die Tanzfolgen regelrecht schrittweise abgeschlurft.

Mountain Style, in welcher Form auch immer, bietet in seiner Vielfalt unglaubliche Möglichkeiten für den Gemeinschaftstanz an. Freude an der Musik, Spaß am Tanzen und das Zusammensein in der Gruppe sind der Grundstock dafür.

Kontakt:
monika.zoeller@mnet-mail.de
« Letzte Änderung: 26. April 2006, 09:00:57 von Sandra » Gespeichert
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