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Autor Thema: Geschichte  (Gelesen 2410 mal)
jogi_step
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thats me!


« am: 02. Mai 2006, 09:42:25 »

Hallo Leute!
Ich fand den folgenden Text unter www.wienerzeitung.at.

Die Musik der Füße
Über die facettenreiche Geschichte des Stepptanzes
Von Christine Dobretsberger


Jeder kennt ihn, den Mann, der mit dem Sessel tanzt, der die Schwerkraft scheinbar überwindet und über Wände gleitet und selbst am Plafond den Boden unter den Füßen nicht verliert - Fred Astaire, der König des Stepptanzes, eine Ikone in Sachen Bewegungskunst und Eleganz.

Während man im Wien der 30er Jahre die Hochblüte der Operette feierte, verzauberte der Stepptanz Amerika. Eine Welle, die dank der Filmindustrie auch nach Europa überschwappte, womit der klappernde Rhythmus der Schuhe quasi um die Welt ging.

Woran liegt nun die Faszination dieses Tanzes, der heute mit Riverdance und ähnlichen Formationen eine Renaissance erlebt? Mag sein, dass es an dieser gelungenen Symbiose aus scheinbarer Leichtigkeit, Grazie und guter Laune liegt. Dass ein Mensch, der sich quasi am Stand bewegt trotzdem ausreichend Bewegungsspielraum besitzt um sich sein Reich zu ertanzen. Je nach Ausprägung des dem Tänzer innewohnenden komisch-absurden Talents, steigen Unterhaltungswert und Showcharakter. Ob im Matrosen-Look, in Anzug und Krawatte oder mit Regenschirm bewaffnet, signalisieren Stepptänzer immer ein ganz charakteristisches Lebensgefühl.

Der stets locker wirkende Einsatz von Energie symbolisiert die Meisterklasse in puncto Lebensbewältigungsstrategien. Während man sich beim ebenfalls irgendwo Befreiung-suggerierenden Walzer immerhin noch einem Dreivierteltakt unterordnen muss, gehorchen beim Stepptanz die Füße Schrittfolgen eigener Choreographie. Das gilt natürlich nur für Individualisten, die mit modernen Ausprägungen, der in Reih und Glied stampfenden Menschenschlangen nichts am Hut haben wollen.

Eigentlich auch gesellschaftspolitisch betrachtet ein interessantes Phänomen, warum der Stepptanz heute, am Anfang des 21. Jahrhunderts, mit Riesenformationen à la Tap Dogs eine "entindividualisierte" Erfolgsgeschichte schreibt. Warum man - ganz bewusst etwas zynisch formuliert - lieber den Gleichschritt eines Tausendfüßlers bewundert, als die in sich stimmige Kunst eines Solotänzers. Eine Frage, die sich vielleicht durch einen kurzen Blick in die Vergangenheit etwas erhellt. Denn die Geschichte des Stepptanzes reicht - wie Christine de Jong, Leiterin des "Vienna International Tapdance Festivals" gegenüber der "Wiener Zeitung" formulierte - in längst vergangene Zeitstrukturen hinein.

Sklaven kreierten Stepptanz

Ursprünglich galt der Stepptanz als eine alte Form des Musizierens, entstanden aus dem Bedürfnis der Sklaven, auch ohne der ihnen verbotenen Instrumente Musik zu machen. Später wurde dieser Tanzstil von irischen Einwanderern beeinflusst, die mit dem sogenannten Clogging eine rhythmusdominante und ausschließlich auf den Klang bezogene Form des Tanzes entwickelten. Eine Facette des Stepptanzes, die heute vor allem bei jungen Leuten wieder sehr populär ist, da die Kombination aus Stepp, Percussion, Kraft und Humor eine reizvolle Alternative darstellt und überdies einen hohen Grad an Musikalität erfordert.

Die Kombination von Irish Step Dance (oder Clogdance mit Holzschuhen) und Afro-Rhythmen (Soft Shoe weil auf Ledersohlen getanzt wird) in Verbindung mit Improvisationen ergab um 1870/1880 den sogenannten Buck Dance.

Der mittlerweile eingeschliffene Begriff Tap Dance ergab sich erst ab 1910, als erstmals Metallbeschläge (Taps) an den Schuhen benutzt wurden.

Synergie Film und Tanz

Natürlich hat jede Tanzzeit auch ihre Namen. Bill "Bojangles" Robinson wird als 50-Jähriger durch das Musical "Blackbirds of 1928" in New York bekannt. Weitere Filme mit Shirley Temple bringen nicht nur den beiden ProtagonistInnen jede Menge Popularität, auch dem gesamten Genre des Stepptanzes. Ein Synergieeffekt, der nicht zuletzt der explosionsartigen Entwicklung der Filmindustrie zu verdanken ist. Robinsons berühmter "Stairdance" im Streifen "Harlem is Heaven (1932)" schrieb Kinogeschichte und zeichnet mitunter dafür verantwortlich, dass Robinsons Begräbnis im Jahr 1950 eines der größten war, das Amerika je gesehen hat.

Seine Hochblüte erlebte der Stepptanz aber von 1930 bis 1950. Allein auf Grund der Tatsache, dass zur damaligen Zeit jede Big Band mit einem Stepptänzer aufwartete, ergab sich ein breit gesätes Feld an Berühmtheiten und Talenten. Vor diesem Hintergrund trat der wohl bekannteste weiße Stepptänzer hervor: Fred Astaire (vormals Frederick Austerlitz). Die sehr tänzerische und überaus revolutionäre Steppkunst des gebürtigen Österreichers ist wohl bis zum heutigen Tag unerreicht.

Auf seine Art einzigartig und unvergessen ist natürlich auch Gene Kelly, dessen Interpretation des

Cole-Porter-Songs "Raindrops keep falling on my head" ebenfalls zu den Filmhighlights des Jahrhunderts wurde.

Die meisten technischen Neuerungen, basierend auf bislang unüblichen Rhythmusverschiebungen, brachte allerdings John W. Bubbles ein, der wichtigste schwarze Stepptänzer nach Bill Robinson.

Unmittelbare Nähe zum Jazz


In dessen Fahrwasser begab sich ab zirka 1940 Charles Honi Coles, der einerseits durch seine starken Frasierungen als Wegbereiter des Bebop gilt, andererseits Bubbles' Schritte übernahm und sie mit doppelter Geschwindigkeit tanzte. Generell darf erwähnt werden, dass Tapdance in unmittelbarer Nähe zum Jazz angesiedelt ist und erstmals in der Swing-Ära auftauchte. So begannen beispielsweise die berühmten Schlagzeuger Jo Jones und Buddy Rich ihre Karrieren als Stepptänzer.

Dementsprechend jazzig auch der Konnex zu Baby Laurence, der seinerseits als Charly Parker des Stepptanzes gilt. Zusammen mit Ralph Brown, Bunny Briggs und Carnell Lyons gehört er bereits der sogenannten young generation an. Lyons, der seinerseits den Stepptanz mit akrobatischen Einlagen anreicherte, war es auch, der diese Kunstrichtung nach Österreich und Deutschland importierte. Einige Jahre in Wien und Berlin lebend, manifestiert sich der künstlerische Einfluss von Carnell Lyons auch im Film "Liebe, Tanz und tausend Schlager" mit Catherina Valente und Peter Alexander (1956) und in Fatty Georges "Black and White Show".

Dass ab Mitte der 50er Jahre (in Österreich und Deutschland zirka ab den 60er Jahren) der Stepptanz plötzlich fast vollständig von der Bildfläche verschwand, hat einen einzigen Grund: Der Rock 'n' Roll erobert die Welt - was in weiterer Instanz bedeutet, dass Jazz out und Stepptanz angesichts der neuen Rhythmen deplaciert schien und erst wieder Anfang der 70er Jahre - angeführt von Brenda Bufalino, Laetita Jay, später Lynn Dally - ein Revival erlebt.

Revival in den 90er Jahren

Vollständig etablieren konnte sich der Stepptanz allerdings erst wieder in den 90er Jahren. Dank der zuvor angerissenen breit gefächerten Entwicklungsgeschichte, existieren derzeit sowohl in tänzerischer, als auch musikalischer Hinsicht eine Vielzahl von Variationen.

Zu jenen Namen, die momentan ganz besonders en vogue sind zählen Gregory Hines, Brenda Bufalino (Bebop), Savion Glover (ein sogenannter junger Wilder, der Funk und Hip-Hop-Rhythmen benutzt und auf diese Weise eine ganz neue Dynamik mitbringt), Fuß-Percussionist Sam Weber und Jimmy Slyde, der die Slides, also die Rutschbewegungen, die bereits in den 30ern praktiziert wurden, perfektioniert hat.

Mit einem Wort: Stepptanz ist mehr als nur Tanz - eine diffizile Perkussion, die mit den Beinen gespielt wird...


Move-Ya!
Jogi

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